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Zur räumlichen Verteilung der Geweihfunde

Voraussetzungen

In den Ausgrabungsjahren 1969 - 1993 wurde eine Fläche von ca. 1200m2 ausgegraben (Abb. 11). Während der frühen Ausgrabungsjahre (1969-1974) wurden Flächen ausgegraben, welche in Ausgrabungseinheiten mit unregelmäßigen Grundrissen unterteilt waren. Nach 1974 war die einheitliche Ausgrabungseinheit ein Quadrat mit einer Kantenlänge von 1,5m.

abb 11
Abb.11: Die 1969-1993 ausgegrabenen Flächen (nach D. Mania).

Die einzelnen Ausgrabungseinheiten wurden, mit 1 beginnend, durchnummeriert. Für jede Ausgrabungseinheit sind die dort gemachten Funde, ebenfalls mit 1 beginnend fortlaufend durchnummeriert. Jeder Fund ist beschriftet, die Beschriftung enthält die Nummer der Ausgrabungseinheit, sowie die Fundnummer (eine typische Beschriftung würde z.B.: 105/72 lauten; der Fund stammt demnach aus der Ausgrabungseinheit 105 und ist der Fund Nr. 72 aus dieser Ausgrabungseinheit). Die Funde sind in Listen nach Fundnummern registriert, viele Funde sind in den Grabungsplänen jedes Quadrates kartiert. Um eine Voraussetzung für die effektive Durchführung einer räumlichen Analyse zu erhalten, wurde auf die gesamte Grabungsfläche ein einheitliches Netz von Quadraten mit Kantenlängen von 1,5m projiziert (Abb. 12). Auf dieser Grundlage konnten die Eckpunkte jeder Ausgrabungseinheit (s. Datenbank - Locational Data), sowie die Lagen der kartierten Geweihfunde als xy- Koordinaten des gewählten Netzes ausgedrückt werden.

figure 12
Abb.12: Die gesamte Ausgrabungsfläche unter einem Netz von Quadraten mit 15m Kantenlänge.
(s. Ausgrabungseinheiten)

Die räumliche Verbreitung

Die Untersuchung der räumlichen Verbreitung der Geweihfunde von Bilzingsleben ist ein Modul der räumlichen Analyse der Fundzusammenhänge insgesamt. Aussagen, die aus der Verbreitung der Geweihfunde abgeleitet werden können, sind auf andere Materialgruppen nicht oder nur bedingt übertragbar. Vergleiche mit den räumlichen Verteilungen anderer Materialgruppen können vor allem deshalb nicht durchgeführt werden, weil die notwendigen Voraussetzungen für die anderen Materialgruppen noch nicht erarbeitet wurden (Bestimmungen der x-y Koordinaten nach Einfügung der Funde in ein einheitliches Quadratnetz).

Zahlreiche vorläufige Mengenkartierungen für verschiedene Materialgruppen publizierte D. Mania (1986a; 1993b), darunter befinden sich auch Kartierungen von Ausschnitten des Geweihmaterials. Durch die hier vorgelegten Kartierungen der Geweihfunde sollten die Aussagen, welche aus den bisherigen Kartierungen der Geweihfunde abgeleitet wurden, vertieft und konkretisiert werden. 2547 Fund wurden kartiert. Die restlichen 273 Geweihfunde aus den Ausgrabungen 1969 - 1993 sind nicht kartierbar. Die kartierten Funde verteilen sich wie folgt auf die in der paläogeographischen Rekonstruktion ausgegliederten Fazies:

Seekalk513 Funde
Pflaster76 Funde
Rinnen unter dem Schwemmfächer76 Funde
Schwemmfächer sensu lato1151 Funde
Uferterrasse + Schwemmfächer sensu stricto731 Funde

Insbesondere die Schwemmfächerfunde sind nicht näher differenzierbar: Nur 76 Funde sind den Rinnen unter dem Schwemmfächer sicher zuzuweisen. Es muß weiterhin zwischen Funden aus dem Schwemmfächer sensu lato (keine Differenzierung von Rinnen und Schwemmfächer) und Schwemmfächer sensu stricto (Funde stammen eindeutig aus den Travertinsanden des Schwemmfächers) unterschieden werden. Für nahezu alle Funde aus dem Schwemmfächer, mit seinen 10 - 100 cm mächtigen Travertinsanden gilt darüber hinaus, daß keine weiteren Höhenangaben vorliegen. Die Funde aus dem Seekalk, sowie kleinere Funde aus den anderen facies sind oft in ihrer Lage nicht dokumentiert, solche Funde wurden zufällig auf die Grabungseinheit aus der sie stammen verteilt. Die Mittelpunkte der kartierbaren Funde wurden als x-y Koordinaten des über die gesamte Ausgrabungsfläche projizierten Quadratnetzes (Abb. 12) ausgemessen. Auf dieser Grundlage wurden Mengenkartierungen durchgeführt.

Die Mengenkartierung aller Geweihfunde aus allen stratigraphischen Positionen (Abb. 13) läßt zunächst erkennen, daß die meisten Quadrate mindestens 1- 8 Geweihfunde aufweisen.

figure 13
Abb. 13: Mengenkartierung aller Geweihfunde aus allen stratigrafischen Positionen.

Abb 14 Abb 15
Abb. 14 (l): Mengenkartierung aller Geweihfunde ohne Seekalk.
Abb. 15 (r): Mengenkartierung aller Geweihsprossen und Geweihrindenfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.

Diese kleinste Mengenklasse wird als gleichmäßige Hintergrundverteilung angesehen. Daneben zeigen sich zwei Bereiche mit erhöhten Geweihmengen: zum einen kommen erhöhte Geweihmengen in einem größeren, zweigeteilten Areal in der westlichen und zentralen Grabungsfläche vor. Südlich davon befindet sich eine weitere Zone mit erhöhten Geweihvorkommen. Während das zuerst genannte Areal in der Schwemmfächerfazies liegt, gehört letzteres Areal zum Pflasterbereich und den nördlich vorgelagerten Quadraten. Die Konzentration im Pflasterbereich und den nördlich vorgelagerten Quadraten wird durch Funde gebildet, die im Seekalk liegen: die Mengenkartierung aller Funde, ohne Seekalkfunde (Abb. 14) weist dieses erhöhte Geweihaufkommen nicht mehr auf, lediglich die auch sonst weit verbreitete homogene Hintergrundmenge von 1- 8 Funden je Quadrat ist noch feststellbar.

Die große zweigeteilte Zone erhöhten Fundaufkommens bleibt in der Mengenkartierung aller Funde, ohne Seekalk (Abb. 14) jedoch bestehen. Geht man der Frage nach, welche Funde diese Geweihkonzentration aufbauen, so zeigt die Mengenkartierung aller Geweihsprosse und Geweihrindenfragmente aus allen stratigraphischen Positionen (Abb. 15), daß die genannte Konzentration bestehen bleibt.

Werden Sproßspitzen (Abb. 16), mediale Sproßfragmente (Abb. 17) und Geweihrindenfragmente (Abb. 18) getrennt kartiert, so zeigt sich, daß Sproßspitzen und mediale Sproßfragmente vor allem am Aufbau der großen zweigeteilten Zone mit erhöhtem Fundaufkommen beteiligt sind, während die Geweihrindenfragmente vor allem die pflasternahe Konzentration aufbauen, welche ja, wie oben gesehen hauptsächlich auf Funde aus dem Seekalk zurückzuführen ist.

Kronen und Kronenfragmente (Abb. 19), Abwurfstangenfragmente (Abb. 20) und Fragmente von schädelechten Geweihen (Abb. 21) zeigen mehr oder weniger homogene Verteilungen im ausgegrabenen Landschaftsausschnitt. Maximal 5 Funde dieser Gruppen bilden hier Konzentrationen, die auch außerhalb der genannten Areale mit erhöhten Geweihvorkommen liegen können.

Abb. 16 (l): Mengenkartierung aller Sprossspitzen aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 17 (r): Mengenkartierung aller medialen Sproßfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb 16 Abb 17

Abb. 18 (l): Mengenkartierung aller Geweihrindenfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 19 (r): Mengenkartierung aller Kronen und Kronenfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb 18 Abb 19

fig 20 21
Abb. 20 (l): Mengenkartierung aller Abwurfstangenfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 21 (r): Mengenkartierung aller schädelechten Geweihfragmente aus allen stratigrafischen Positionen.

Werden die Mengenkartierungen nicht nach morphologischen Gruppen, sondern nach Längen durchgeführt, so zeigt sich für Funde <50mm (Abb. 22), >=50mm und <100mm (Abb. 23), >=100mm und <155mm (Abb. 24), daß diese Größenklassen die Konzentrationen mit erhöhten Geweihvorkommen aufbauen. Zusammenfassend können vor allem die Funde <120mm (Abb. 25) als hauptsächlich am Aufbau der Zonen mit erhöhten Geweihvorkommen beteiligt erkannt werden.

Abb. 22 (l): Mengenkartierung aller Geweihfunde < 50mm aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 23 (r): Mengenkartierung aller Geweihfunde > 50mm und < 100mm aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb 22 Abb 23

Abb 24 Abb 25
Abb. 24 (l): Mengenkartierung aller Geweihfunde > 100mm und < 155mm aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 25 (r): Mengenkartierung aller Geweihfunde < 120mm aus allen stratigrafischen Positionen.

Die Konzentrationen von maximal 9 Funden pro Quadrat für Funde >=155mm (Abb. 26) liegen teilweise außerhalb der Areale mit erhöhtem Geweihaufkommen. Nach unpublizierten Angaben von D. Mania wurden die Travertinsandmächtigkeit pro Quadrat kartiert. Auf diese Kartierung wurden alle Funde aus allen stratigraphischen Positionen, ohne die kleinste Mengenklasse von 1- 8 Funden projiziert (Abb. 27). Es wird deutlich, daß die oben genannten Areale mit erhöhtem Geweihvorkommen mit den Arealen übereinstimmen, die auch die größten Travertinsandmächtigkeiten aufweisen.

Abb. 26 (l): Mengenkartierung aller Geweihfunde > 155mm aus allen stratigrafischen Positionen.
Abb. 27 (r0: Travertinsandmächtigkeit und Verteilung aller Mengenklassen von Geweihfunden mit Ausnahme der kleinsten Klasse von 1 8 Funden (s. Abb.13).
Abb 26 Abb 27

Die Verteilung aller Funde >=155mm (Abb. 26) ähnelt der Verteilung aller Geweihbasen und unteren Stangen der schädelechten Geweihe und der Abwurfstangen (Abb. 28). Die höchsten Fundanzahlen je Quadrat liegen in dieser Fundgruppe bei 6-9 Funden. Sie übersteigen kaum die Werte der kleinsten Mengenklasse in der Kartierung aller Geweihfunde, die als Hintergrundstreuung angesehen wird. Weitgehend fallen die höchsten Geweihanzahlen auch dieser Materialgruppe mit den größten Travertinmächtigkeiten zusammen, jedoch liegen einige fundreichere Quadrate auch randlich benachbart der Hauptkonzentration.

figure 28
Abb. 28: Mengenkartierung aller Fragmente von schädelechten Geweihen sowie Abwurfstangen aus allen stratigrafischen Positionen.

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© Internet Archaeology URL: http://intarch.ac.uk/journal/issue8/vollbrecht/deu/6.html
Last updated: Wed Sep 20 2000